Okt 13

Die Anfänge des Soul und seine kommerzielle Entwicklung

Die Anfänge des Soul liegen in den 1940er Jahren, in denen populäre Big Bands (z. B. Count Basie) und Harmoniegruppen (z. B. The Coasters) verschiedene Elemente unterschiedlicher Musikstile miteinander vermischten. Diese Stilelemente aus Swing, Bebop, Blues und Gospel wurden zu einer vollkommen neuen Art der Populärmusik für die afroamerikanische Bevölkerung in den us-amerikanischen Großstädten.

Zeitgleich flossen aber ebenso die Erfahrungen und auch das neue Selbstbewusstsein der Afroamerikaner der 1960er ein, welche sie beim Kampf für die us-amerikanische Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und für die Gleichberechtigung gemacht hatten. Der Soul wurde somit auch zu einem Symbol einer eigenständigen schwarzen Kultur und Identität.

Die Unterschiede zwischen Southern und Northern Soul

Während dieser Zeit kristallisierten sich allmählich zwei verschiedene Musikstile heraus. Zum einen ein rhythmisch lebendiger und Up-Beat betonender R’n’B und zum anderen ein gefühlvoller und langsamer Soulstil. Insbesondere der Letztere eignete sich gut für den Transport und Propagierung der neuen Werte und Moralvorstellungen der aufstrebenden Emanzipation zwischen Mann und Frau.

Aber auch regional bildeten sich mit der Zeit recht unterschiedliche Stilrichtungen heraus. Besonders sichtbar werden diese Unterschiede beim direkten Vergleich des sogenannten südlichen „Southern Soul“ (auch „Memphis Sound“ oder „Memphis Soul“ genannt) und dem eher kommerziell orientierten „Northern Soul“. Während der Southern Soul vornehmlich die ungeschminkte Realität und die Rassendiskriminierungen der schwarzen Bevölkerung zum Thema machte, konzentrierten sich die Musiker des Northern Soul eher auf die breite Popularität ihrer Produktionen.

Kurzfristig konnten durchaus große Verkaufserfolge gefeiert werden, vor allem und überraschender Weise bei der weißen Bevölkerungsschicht. Das bekannteste Label dieses Musikstils war das aus Detroit stammende „Motown“. Das bedeutendste Musiklabel des Southern Soul repräsentierte „Stax“ aus Memphis.

Ein Meilenstein der schwarzen Popkultur

Auch wenn der Soul gegenüber anderen Musikrichtungen heutzutage eher eine etwas untergeordnete Rolle einnehmen mag, so prägt er nach wie vor die musikalische Landschaft der Popkultur. Innerhalb der afroamerikanischen Musikkultur gilt der Soul als die wichtigste spirituelle Strömung überhaupt. Gleichzeitig unternimmt der Soul einen musikalischen Spagat zwischen der weißen Massentauglichkeit und der Repräsentanz des schwarzen Selbstbewusstseins.

Gegen Ende der 1960er Jahre verliert der Soul seinen sozialen, politischen und musikalischen Anspruch der Artikulation der Schwarzen in den USA. In den 1970er Jahren genießt der Soul im Disco und Funk nochmals eine kurze Art von Wiedergeburt. Beide Musikrichtungen haben aber nur noch wenig mit den eigentlichen Werten einer afroamerikanischen Kultur zu tun. Das Label „Phillysound“ war für diese Art von kommerzieller Tanzmusik mitbestimmend.

Im folgenden Jahrzehnt gerät der Soul vollends in eine Krise, da selbst schwarze Interpreten freiwillig die Nähe zum weißen Popmarkt suchen. Erst im Laufe der 1990er Jahre entstehen neue Stilrichtungen wie R’n’B, Nu Soul, Urban Soul und Arcoustic Soul. Auch die Bandbreite der Künstler und Künstlerinnen wird nun wieder wesentlich größer.